2010-09-11_16-51-04_wpÜber Jahrhunderte wurde in der Umgebung des Wollingster Sees Heidebauernwirtschaft betrieben, die an die kargen Verhältnisse der Heide angepasst ist. Eine wichtige Grundlage der Heidebauernwirtschaft war die Heidschnuckenhaltung. Die kleine, anspruchslose Schafrasse weidete die Heidesträucher ab und ließ keinen Jungwuchs von Bäumen aufkommen. Auch führte der ständige Verbiss der Heidesträucher zur einer Verjüngung der Heide; und im Spätsommer sorgten die Schafe dafür, dass nicht zu viele Honigbienen sich in Spinnennetzen verfingen. Die bäuerliche Nutzung der Heide verhinderte so die Wiederbewaldung und begünstigte die Ausbreitung großer Heideflächen, wie man sie heute noch in der Lüneburger Heide kennt. Da nicht gedüngt wurde, fand außerdem nur ein geringer Austrag von Nährstoffen statt.

Zunehmende Nährstoffanreicherung im Wollingster See

Doch diese optimalen Bedingungen herrschen nicht mehr am Wollingster See, es reicherten sich vielmehr zunehmend Nährstoffe im See an, die seine Eigenschaft als nährstoffarmen Heidesee und somit die einzigartige und schützenswerte Pflanzengesellschaft von Lobelie, Strandling und Brachsenkraut gefährden. Hinweise auf die zunehmende Eutrophierung (Nährstoffanreicherung) gab die ständige Zunahme von Pflanzenarten nährstoffreicher Gewässer im Uferbereiches, z.B. von Schilf, fädigen Algen und auch gelegentlich der kleinen Wasserlinse am Nordufer.

Bedrohung für die Pflanzengesellschaft aus Lobelie, Strandling und Brachsenkraut

Durch die zunehmende Anreicherung mit Nährstoffen wurde das Wachstum von konkurrenzstarken Pflanzen wie Schilf, Algen, Moosen und Seggen gefördert. Die starke Ausbreitung dieser Pflanzen führte dazu, dass der See zunehmend verschlammte und die ursprüngliche Vegetation zurückgedrängt wurde. Auch Mikrooorganismen (Kleinstlebewesen wie die im Wasser schwebenden Planktonalgen) wuchsen durch die Anreicherung mit Nährstoffen verstärkt. Sie trübten das Wasser oder bildeten Aufwuchsschleime und schadeten insbesondere den am ufernahen Seeboden lebenden Lobelien und Brachsenkräutern, die Licht zum Leben brauchen.

Ursachen

Die in den 1950er-Jahren einsetzende Intensivierung in der Landwirtschaft eröffnete die Möglichkeit, karge Wiesen wie die am Wollingster See mit Hilfe intensiver Düngung zunächst in Intensivgrünland und schließlich sogar in Ackerland umzuwandeln. Dieser Vorgang führte wegen der durchlässigen Böden zu einer schnellen Düngerbelastung des Grundwassers und in Folge auch des Wollingster Sees selbst. Auch über die Luft wurden Nährstoffe eingetragen.

Durch die Aufgabe der Heidschnuckenhaltung und die allgemeine Eutrophierung nahm die Anzahl der Gehölze im Uferbereich schnell zu, Teile der angrenzenden Flächen (Seeberg, Jungbirkenaufwuchs ??? im Beverstedter Moor) wurden außerdem gezielt aufgeforstet. Der resultierende Lichtmangel  gefährdete die auf nährstoffarme Verhältnisse angewiesenen Pflanzengesellschaften, zusätzlich verminderte die dadurch entstehende Windabschirmung den Sauerstoffeintrag in den See, den der Abbau von Pflanzenresten erfordert. Eine zusätzliche Belastung stellte der Laubfall dar.

Da der See nur geringe Abflüsse hat, konnten die von außen in den See gekommenen Nährstoffe sowie die durch Badende eingetragenden Stoffe nur langsam aus dem See entweichen.Auch die freizeitliche Nutzung des Wollingster Sees ist somit ein wesentlicher Faktor bei der Nährstoffanreicherung.

Regelmäßig werden von den Anglern im See neue Fische ausgesetzt. Die Fischpopulation stieg früher dadurch stetig an. Heute werden im Wesentlichen nur noch räuberische Fische eingesetzt, die einen zu starken Fischbestand regulieren und das Gewässer-Ökosystem dadurch günstig beeinflussen sollen. Durch manche Fische findet aber auch ein regelmäßiger Verbiss der am See heimischen Pflanzen statt oder Jungpflanzen werden bei der Nahrunssuche aus dem Boden gewühlt.

Auch durch den starken Bade- und Freizeitbetrieb im Sommer und das mitunter rücksichtslose Verhalten von Seegästen (Vertritt der ufernahen Vegetation, Baden von Hunden und sogar Pferden) wird der Flora am See immer wieder Schaden zugefügt. Achtlos zurückgelassener Müll, in den See eingebrachte Sonnenöle und fehlende öffentliche Toiletten waren und sind die Ursachen für weitere Belastungen.