Lower_Saxony_relief_location_mapDer Wollingster See ist Teil des Naturschutzgebiet “Wollingster See und Randmoore” (NSG CUX 001), das vom Landschaftsschutzgebiet Osterndorfer Moor umgeben ist. Er liegt in der Wesermünder Geest zwischen den Ortschaften Wollingst und Appeln in der Samtgemeinde Beverstedt, 20 km südöstlich von Bremerhaven. Er hat eine Länge von rund 300 m und eine Breite von ca. 180 m und ist somit insgesamt nur 4,5 ha groß. An seiner tiefsten Stelle misst der See 14,5 m, im Durchschnitt ist er jedoch bedeutend flacher.

Entstehung des Wollingster Sees

Die Entstehung des Wollingster Sees ist nicht eindeutig geklärt. LADE (1974 und 1979) deutet ihn als eiszeitliches Toteisloch. Vorher hatte man eine Ausstrudelung/Auskolkung unter einem Gletscher der Saale-Kaltzeit angenommen (Brockmann, 1929). Nach neueren Erkenntnissen (MERKT, 1998) handelt es sich jedoch um eine Pingonarbe, die in der Weichsel-Kaltzeit entstanden ist. Ein Pingo ist eine Bodenerhebung, die in Tundra- und benachbartenTaiga-Gebieten mit Permafrost entsteht, indem Grundwasser zu einer  Eislinse gefriert, die weiter wächst und große Höhen erreichen kann. Dabei wird das umgebende Erdreich nach oben gedrückt.

Die Deckschichten des Pingo werden mit der Zeit abgetragen und sammeln sich an seinem Fuß als Schuttwälle. Nach dem Abtauen des Eises bildet sich eine Hohlform, die von diesem Wall umgeben ist und in der sich das Grund- und Niederschlagswasser sammeln kann. Die Sedimente des Wollingster Sees sind bei MERKT & KLEINMANN (1998) ausführlich beschrieben und stellen in ihrer Schichtenfolge ein wichtiges Dokument der Landschafts- und Seeentwicklung seit 12.000 Jahren dar.

Seit 1932 Naturschutzgebiet

Durch seine Eigenschaft als nährstoffarmer (oligotropher) Heidesee konnte sich hier eine angepasste Vegetation mit Lobelie, Strandling und Brachsenkraut entwickeln. Alle drei Pflanzenarten sind in ihrem Bestand gefährdet und in der Roten Liste enthalten. Ihr gemeinsames Vorkommen ist bis vor wenigen Jahren sehr selten in ganz Deutschland gewesen. Dies macht den Wollingster See besonders schützenswert und hat dazu geführt, dass der See mit nächster Umgebung (9,5 ha) bereits 1932 unter Naturschutz gestellt wurde. Erste Bestrebungen dazu gab es bereits 1926. 1973 wurde dann noch ein ca. 900 ha großes angrenzendes Gebiet als Landschaftsschutzgebiet (Osterndorfer Moor) ausgewiesen. Da der See mit angrenzendem Moor nach europäischen Recht (FFH-Richtlinie) zu schützen ist, hat der Landkreis Cuxhaven 2010  eine neue Nataurschutzverordnung erlassen. Seit 1996 arbeitet der Förderverein Wollingster See e.V. unter großem Engagement vieler ehrenamtlicher Helfer an Maßnahmen zur Rettung der wertvollen Pflanzenbestände.

Verordnungstext zum Naturschutzgebiet “Wollingster See und Randmoore”

Verordnung vom 23.06.2010 (PDF, 52 KB)
Berichtigung der Verordnung vom 21.09.2010 (PDF, 850 KB)
Änderungsverordnung vom 09. 03.2011 (PDF, 190 KB)

Literatur

Lade, U. (1974): Der Wollingster See – ein Beitrag zum Alter und zur Entstehung. – Jahrbuch Männer vom Morgenstern, 54 9-32, Bremerhaven.

Merkt, J. & Kleinmann, A. (1998): Die Entstehung und Entwicklung des Wollingster Sees und seine Ablagerungen, Mitt. AG Geobot. Schleswig-Holstein u. Hamburg 57, 17-27 Kiel.